Die kurze Antwort lautet: Es kommt darauf an.
Die längere Antwort ist deutlich interessanter – denn beim 3D-Druck bezahlt man eben nicht einfach nur ein paar Gramm Kunststoff.
Stell dir vor, du schickst uns zwei Dateien. Beide Teile sind ungefähr gleich groß. Das eine ist simpel aufgebaut, braucht wenig Material und ist in drei Stunden fertig. Das andere hat komplizierte Überhänge, benötigt Stützstrukturen, muss nachbearbeitet werden und blockiert den Drucker fast einen ganzen Tag.
Optisch ähnlich. Preislich nicht unbedingt.
Warum kostet ein 3D-Druck nicht einfach „X Euro pro Gramm“?
Der Materialverbrauch ist wichtig, aber eben nur ein Teil der Rechnung.
Bei einem professionellen 3D-Druck spielen mehrere Faktoren zusammen:
- verwendetes Material
- benötigte Materialmenge
- Dauer des Drucks
- Komplexität des Bauteils
- notwendige Supports
- Vorbereitung der Datei
- Nachbearbeitung
- gewünschte Stückzahl
Oder anders gesagt:
Ein 3D-Drucker frisst nicht nur Filament – er frisst auch Zeit.
Und genau diese Zeit ist bei längeren oder komplexeren Drucken ein wichtiger Kostenfaktor.
Material: PLA ist nicht gleich TPU und PETG nicht gleich ABS
Wer zum ersten Mal einen 3D-Druck kalkulieren lässt, schaut meistens zuerst auf das Material.
Das ist logisch: Ein großes Bauteil braucht mehr Filament als ein kleines.
Aber auch das verwendete Material selbst macht einen Unterschied. PLA, PETG, ABS oder TPU besitzen unterschiedliche Eigenschaften, Preise und Anforderungen an die Verarbeitung.
Ein flexibles TPU lässt sich beispielsweise anders verarbeiten als ein klassisches PLA. Technische oder besonders temperaturbeständige Materialien können wiederum deutlich aufwendiger sein.
Welches Filament für welchen Einsatzzweck sinnvoll ist, behandeln wir separat in unserem Bereich 3D-Druck-Materialien.
Für die Preisfrage reicht zunächst: Material ist wichtig – aber nicht alles.
Drei Stunden oder dreißig Stunden?
Jetzt wird es spannender.
Denn zwei Bauteile können ähnlich viel Material verbrauchen und trotzdem völlig unterschiedliche Druckzeiten haben.
Ein Drucker arbeitet Schicht für Schicht. Je nach Geometrie, Größe, gewünschter Qualität und Druckeinstellungen kann ein Modell schnell fertig sein – oder eben über Nacht, den nächsten Vormittag und vielleicht noch den Nachmittag weiterdrucken.
Während dieser Zeit ist die Maschine mit diesem Auftrag beschäftigt.
Zusätzlich entstehen anteilig Kosten für:
- Maschinenbetrieb
- Strom
- Wartung
- Verschleißteile
- Kalibrierung und Pflege
Deshalb gehört die Druckzeit fast immer zu den wichtigsten Bestandteilen einer seriösen Kalkulation.
Und dann kommt diese eine Datei …
Manchmal bekommen wir eine Datei, laden sie ein, prüfen sie – und theoretisch könnte der Druck fast direkt starten.
Manchmal sieht die Sache anders aus.
Dann muss beispielsweise die Ausrichtung angepasst, das Modell geprüft oder eine fehlerhafte Datei repariert werden. Vielleicht sind Supportstrukturen nötig. Vielleicht muss das Modell anders positioniert werden. Vielleicht stellt man erst beim Slicen fest, dass eine Stelle problematisch werden könnte.
Bevor der Drucker überhaupt den ersten Millimeter Filament bewegt hat, kann also bereits Arbeit entstanden sein.
Je nach Auftrag gehören dazu zum Beispiel:
- Prüfung der Datei
- Vorbereitung im Slicer
- optimale Ausrichtung
- Festlegen von Supports
- Anpassung der Druckparameter
- kleinere Dateikorrekturen
- gegebenenfalls Testdrucke
Und falls noch gar keine fertige 3D-Datei vorhanden ist, kommt eine ganz andere Leistung hinzu: Konstruktion und CAD-Entwicklung.
Das ist dann nicht mehr nur „Drucken“, sondern Entwicklung – und entsprechend ein eigener Kostenpunkt.
Supports: Die kleinen Helfer, die hinterher wieder weg müssen
Manche Formen kann ein 3D-Drucker nicht einfach frei in die Luft drucken.
Dafür gibt es sogenannte Supportstrukturen. Sie stützen bestimmte Bereiche während des Drucks ab und werden anschließend wieder entfernt.
Das funktioniert gut – kostet aber Material, Druckzeit und unter Umständen auch Handarbeit.
Ein Bauteil ohne Supports kann nach dem Druck praktisch fertig sein.
Ein anderes muss erst einmal von seiner Stützstruktur befreit werden.
Und ja: Manchmal sieht es danach ein bisschen so aus, als müsste man das Teil erst aus einem kleinen Kunststoff-Dschungel retten.
Nachbearbeitung: Wenn „Druck fertig“ noch nicht „Auftrag fertig“ bedeutet
Ein 3D-Druck kommt nicht immer fertig zum Einsatz vom Druckbett.
Je nach gewünschtem Ergebnis können noch Arbeitsschritte folgen:
- Supports entfernen
- Materialreste beseitigen
- Oberfläche reinigen
- schleifen
- Bauteile zusammenfügen
- weitere Oberflächenbearbeitung
Das kann in wenigen Minuten erledigt sein – oder deutlich länger dauern.
Deshalb gehört auch die Nachbearbeitung in eine realistische Kalkulation.
Macht ein größeres Teil automatisch einen höheren Preis?
Meistens ja – aber nicht zwingend proportional.
Ein großes Bauteil kann relativ dünnwandig aufgebaut sein und innen eine leichte Struktur besitzen.
Ein kleineres Teil kann dagegen massiv, komplex und sehr langsam zu drucken sein.
Entscheidend sind deshalb nicht nur die Außenmaße, sondern vor allem:
Materialmenge + Druckzeit + Geometrie.
Das ist einer der Gründe, warum man einen 3D-Druckpreis am besten anhand der konkreten Datei kalkuliert und nicht anhand eines Fotos mit einem Lineal daneben.
Einzelstück oder Serie?
Auch die Stückzahl spielt eine Rolle.
Bei einem einzelnen Teil fällt die gesamte Vorbereitung auf dieses eine Bauteil.
Wenn zehn oder zwanzig gleiche Teile gefertigt werden, muss die Datei nicht zwanzigmal neu vorbereitet werden.
Je nach Größe können mehrere Bauteile gleichzeitig auf dem Druckbett platziert werden. Dadurch kann sich der Aufwand pro Stück verändern.
Trotzdem gilt:
Zehn Teile kosten nicht automatisch nur das Zehnfache des Materials – aber eben auch nicht automatisch viel weniger.
Druckzeit und Maschinenbelegung bleiben wichtige Faktoren.
Kann man die Kosten vor dem Druck berechnen?
Zum Glück ja.
Sobald eine geeignete 3D-Datei vorhanden ist, kann eine Slicer-Software bereits ziemlich genau berechnen:
- benötigte Materialmenge
- voraussichtliche Druckdauer
- erforderliche Supportstrukturen
Damit stehen bereits zwei sehr wichtige Größen fest: Materialverbrauch und Maschinenzeit.
Hinzu kommen anschließend die Arbeiten rund um Vorbereitung, Nachbearbeitung und gegebenenfalls Entwicklung.
Deshalb kann ein konkreter Preis normalerweise wesentlich genauer bestimmt werden, sobald die Datei vorliegt.
Was kostet ein 3D-Druck nun wirklich?
Wenn du nach einer einfachen Formel suchst, könnte sie ungefähr so aussehen:
Falls zusätzlich konstruiert, gescannt oder eine Datei umfangreich angepasst werden muss, kommen diese Entwicklungsleistungen hinzu.
Das klingt zunächst komplizierter als „2 Euro pro Stunde plus Filament“.
Ist aber ehrlicher.
Denn ein 3D-Druckauftrag besteht eben nicht nur aus dem Moment, in dem der Drucker gerade sichtbar Material auf das Druckbett legt.
Fazit: Erst die Datei, dann der Preis
Wenn du wissen möchtest, was dein konkreter 3D-Druck kostet, ist die Datei meistens der beste Ausgangspunkt.
Anhand des Modells lässt sich beurteilen:
- benötigte Materialmenge
- Dauer der Fertigung
- erforderliche Vorbereitung
- notwendige Supports
- Umfang der Nachbearbeitung
Deshalb können zwei ähnlich aussehende Teile völlig unterschiedliche Preise haben.
Und genau deswegen ist die Antwort auf die Frage „Was kostet ein 3D-Druck?“ am Ende zwar immer noch:
Es kommt darauf an.
Aber wenigstens weißt du jetzt, worauf.